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Fohlenverhalten im Zentrum des VSP-Weiterbildungstages

VSP Weiterbildungstag 2009

 

Am 7. November fanden sich auf Einladung des VSP rund 50 Pferdezuchtinteressierte im Tierspital Bern ein. Nebst Vertretern von Zuchtorganisationen profitierten auch Studierende der Vetsuisse Fakultäten Bern und Zürich sowie der Pferdewissenschaften vom Weiterbildungsprogramm, das folgende Themen beinhaltete:

  • Verhalten des neugeborenen Fohlens, dessen Entwicklung und Wechselwirkungen mit dem Menschen
  • Wie kann das Temperament des Pferdes beschrieben und getestet werden?
  • Entwicklung eines Fohlen-Verhaltenstests für die Schweizer Pferdezuchtorganisationen als Basis einer   Zuchtwertschätzung

Fohlenverhalten, Entwicklung, Wechselwirkungen mit dem Menschen

Im Eingangsreferat informierte Mireille Baumgartner, Forschungsassistentin am Schweizer. Nationalgestüt Avenches über das Pferdeverhalten in der freien Wildbahn und insbesondere über die Bedeutung der frühen Mutter-Fohlen Bindung. Die Fohlenentwicklung ist ein kontinuierlicher Prozess und folgt einem genetischen Verhaltensprogramm und Lernverhalten. Manche Verhaltensweisen sind umweltabhängig und abhängig vom Vorhandensein oder Nichtvorhandensein von Stimuli. Einige gelernte Verhaltensweisen sind effektiver während spezifischer Zeiträume. In der freien Natur ist die ganze Pferdefamilie für die Verhaltens- und Sozialentwicklung wichtig.

 

Ein besonderer Stellenwert wurde im Referat den neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen zum „Imprinting“ (Prägung) beigemessen. Robert M. Miller propagierte vor mehr als 20 Jahren diese Methode, wonach zum Ziel der Desensibilisierung des Fohlens, sobald die Nabelschnur gerissen ist, der Mensch das Fohlen noch am Boden liegend sanft berührt, nicht aufstehen lässt und deutlich zwingt, auf der Seite liegen zu bleiben. Der Mensch greift also ins Geschehen ein, bevor der Stuten-Fohlenkontakt aufgebaut werden kann. Forschungen haben nun aufgezeigt, dass dieser Eingriff in die Natur schädlich ist; die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Arbeit Hausberger, Henri et al. sind, dass Fohlen, die mit der Miller Methode behandelt worden sind, im Vergleich zur Kontrollgruppe sofortigen und gleichzeitig auch verspäteten Sozialmangel zeigen und ferner eine unsichere Bindung zur Mutter sowie tiefere soziale Kompetenzen aufweisen, dies anhaltend mindestens bis zur Pubertät. Die für das Fohlen wichtige Aufnahme von Kolostrum und das erste Saugen, ein wichtiger Schritt der Mutter-Fohlen Beziehung, wird mit der Methode verzögert. Die unsichere Beziehung und die Distanz zur Mutter führt dazu, dass das Fohlen weniger mit seinen Altersgenossen spielt und weniger soziale Kompetenzen entwickelt, was mehr Aggressivität zur Folge hat.

 

Eine wertvolle Erkenntnis der Tagung und ein Tipp für die Züchter im Umgang mit ihren Fohlen: freundlicher Umgang mit dem Fohlen, Handlungen die am Fohlen vollzogen werden sollen, zuerst in aller Ruhe bei der Mutter vornehmen und in den den ersten Lebenswochen nur sorgsam in diese einzigartige Verbindung eingreifen. Dies wurde vom VSP-Präsidenten Hansjakob Leuenberger mit einem Beispiel aus seiner Alltagsarbeit als Tierarzt verdeutlicht: Handlungen beim Fohlen, wie z.B. Impfen, werden vorgängig mit der Mutterstute simuliert. Das Fohlen beobachtet dabei aufmerksam und vorsichtig und ist in der Folge kooperativer, wenn die gleiche Handlung beim ihm vollzogen wird.

 

Ganzer Bericht mit Infos zu Testverfahren beim Pferd / Entwicklung eines Fohlen-Verhaltenstests für die Schweizer Pferdezucht

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